Schau dir die Werbung im Supermarkt an: Eine grüne Wiese, eine glückliche Kuh mit Glocke um den Hals, ein Bauer, der lächelnd seinen Hof zeigt. Das ist die Illusion, die wir uns jeden verdammten Tag kaufen, um unser Gewissen zu beruhigen.
Die Realität sieht scheiße aus. Sie stinkt nach Ammoniak, Kot und Verwesung.
In den Megaställen dieser Republik und Europas vegetieren Millionen Tiere auf Betonspaltenböden vor sich hin. Sie haben nie in ihrem Leben Sonnenlicht gesehen. Sie liegen in ihren eigenen Exkrementen, oft verletzt, krank, ohne je einen Tierarzt zu sehen. Wenn Aktivisten oder Journalisten heimlich Aufnahmen aus diesen Höllenlöchern veröffentlichen, sieht man Tiere, die langsam und qualvoll verrecken, während daneben bereits die nächsten für den Schlachthof gemästet werden.
Der Mythos vom „Einzelfall“
Und was passiert, wenn wieder einmal Bilder aus so einer Tierfabrik an die Öffentlichkeit geraten? Die Politik tut schockiert. Der Verband der Fleischwirtschaft faselt was von einem „bedauerlichen Einzelfall“. Die Veterinärämter versprechen Kontrollen. Und der Supermarkt nimmt die Packung für zwei Tage aus dem Regal, um sie am dritten Tag unter neuem Namen für 1,99 Euro wieder reinzulegen.
Das ist kein Einzelfall. Das ist ein System.
Ein System, das auf maximalen Profit durch maximale Grausamkeit ausgelegt ist. Die Tiere sind in dieser Maschinerie keine Lebewesen mit Schmerzempfinden mehr, sondern Rohstoffe. Verschleißmaterial. Wenn ein Schwein oder eine Kuh stirbt, bevor sie den Schlachthof erreicht, wird das als „einkalkulierter Verlust“ abgebucht.
Die doppelte Moral unserer Gesellschaft
Wir teilen unser Sofa mit Hunden und Katzen, geben Hunderte Euro für deren Gesundheit aus und weinen, wenn es ihnen schlecht geht. Aber zwei Regalmeter weiter im Supermarkt greifen wir nach dem abgepackten Hackfleisch von einem Tier, das ein Leben lang nichts als Qualen erlitten hat – nur weil es billig ist und eine hübsche Haltungsform-Nummer auf der Plastikverpackung klebt. Diese Siegel sind eine reine Beruhigungspille für Verbraucher. Eine verlogene Fassade, die Grausamkeit legalisiert.
Wir haben gelernt, wegzusehen. Wir wollen das Schnitzel, aber wir wollen den Blutgestank nicht riechen. Wir wollen die Milch im Kaffee, aber nicht das Schreien der Mutterkuh hören, wenn man ihr nach der Geburt sofort ihr Kalb entreißt.
Kein Platz für Ausreden
Es gibt hier nichts schönzureden, keine Ausreden und vor allem nichts zu lachen. Was in den Industrie-Ställen abläuft, ist eine ethische Bankrotterklärung unserer Gesellschaft. Wer wegsieht, macht sich mitschuldig. Wer die Augen vor diesem Verbrechen verschließt, akzeptiert, dass fühlende Wesen für unseren kurzfristigen Gaumenkitzel wie Müll behandelt werden.
Es ist Zeit, den Mund aufzumachen und diesem System die Maske vom Gesicht zu reißen.